Hochdruck


Wegen der bei einem bekannten Hochdruck besonders hohen Häufigkeit einer Halsschlagaderverengung mit Schaganfallgefahr sowie einer arteriellen Verschlusskrankheit / koronaren Herzkrankheit rate ich nicht selten zu einer weiteren Ultraschall-Überprüfung der Halsschlagadern sowie des Herzens.
Der Blutdruck sollte zudem evtl. mit einem 24-Stunden-Monitoring überprüft werden.
Ein weiteres Monitoring, Hochdruckschulung (nur bei Diabetes und KHK Kassenleistung) und ggfs. nach Ausschöpfung der Allgemeinmaßnahmen eine medikamentöse Therapie sind nicht selten notwendig.
Aufgrund häufiger Risikofaktoren wie Hochdruck, Diabetes und Nikotin treten arterielle Durchblutungsstörungen der Halsschlagadern, aber auch der Beine, der Arme, der Hände und der Füße sowie des Herzens nicht selten auf. Die Gefäße sollten also bzgl. des Vorliegens dieser Risiken möglichst überprüft werden.
Bei Ultraschall-Untersuchungen der hirnversorgenden Gefäße und der Beine lässt sich früh eine Schlaganfallsgefahr sowie das Risiko eines drohenden Herzinfarktes erkennen. Durch diese indirekten Methoden kann sehr gut eine Risikoklassifizierung für ein Herzinfarkt/Schlaganfall erfolgen.
Vermutlich ist die Vorhersagewahrscheinlichkeit genauso gut wie bei den direkten Gefäßuntersuchungen mittels Kontrastmittel-Röntgenuntersuchungen am Herzen und am Gehirn. Zudem werden Strahlenschädigungen, Punktionsrisiken und Kontrastmittelschädigungen vermieden.
Die schädlichen Auswirkungen von hohem Blutdruck, Cholesterin und von anderen Risikofaktoren können hier summarisch direkt anhand des Gefäßwandbildes nachgewiesen werden.

Hier zeigt sich, dass der Mensch so jung oder so alt ist, wie seine Gefäße!
Sämtliche Risikofaktoren gehören auf den Prüfstand (z.B. Blutzuckerwerte, Blutfette, Homocystein, evtl. auch Lipoprotein). Zudem sollte eine Echokardiographie durchgeführt werden, um früh eine linksventrikuläre Hypertrophie (Verdickung der linken Herzkammer) oder andere Folgeschäden des Hypertonus am Herzen wie eine degenerative Herz-Klappenschädigung oder eine diastolische Relaxationsstörung (Herzmuskelversteifung) früh nachzuweisen und zu behandeln. Gerätetechnisch kann dies in unserer Praxis mittels Echo erfolgen. Hier ist auch die moderne Gewebedoppler-Technik im Einsatz (Tissue Doppler Imaging = TDI).
Bei entsprechender Anamnese ist eine Ergometrie zum Nachweis oder Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung) ergänzend notwendig. Bei bestätigtem Verdacht folgen weitere bildbebende Verfahren wie Stressechokardiographie, Angiographie (Herzkatheter oder CT-/MR-Angiographie). Es erfolgt ggfs. eine Überweisung zum Kardiologen.
Entspannungsverfahren wie z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, autogenes Training oder Joga sollten neben vermehrter Bewegung und richtiger Ernährung versucht werden. Durch regelmäßige Bewegung/Sport ist eine biologische Verjüngung im körperlichen und geistigen Bereich sowie eine positive Depressionsbeeinflussung möglich.
Eine fettarme, mediterrane Kost (Mittelmeerkost) und zusätzlich viel Obst bzw. Gemüse (5 Stück bzw. Portionen /Tag) sind zu empfehlen. Die blutdruckerhöhende Wirkung von Alkohol sollte ebenfalls Erwähnung finden.
Beim Hochdruck wird eher Ausdauerbewegung als Muskeltraining empfohlen. Allerdings kann vermutlich auch ein Muskeltraining den Blutdruck mittelfristig senken.
Ein regelmässiges Training mit moderater körperlicher Aktivität (3-)5x 30 Minuten (z. B. Walking oder andere Ausdauerbewegungen – soweit bei orthopädischen Beschwerden möglich) wird im Allgemeinen empfohlen. Die empfehlenswerte maximale Pulsfrequenz liegt bei 220-Lebensalter x 60 % (Einsteigerbelastung) / 220-Lebensalter x 70 % (Belastung für Trainierte) Schlägen/Minute.
Insgesamt vorteilhaft ist ein gesunder Lebensstil mit Steigerung der körperlichen Bewegung und der Alltagsaktivität (z.B. Treppe statt Aufzug/Rolltreppe). Erwähnenswert ist, dass gerade Ältere über 50 jährige Menschen die biologische Uhr um bis zu 30 Jahre zurückdrehen können (Circulation 2001).
Dabei sollte meines Erachtens folgendes gelten:
Je bewegungseingeschränkter, je risikobehafteter und je älter die Patienten
sind, desto höher sollten die ärztlich-medizinischen Therapieanteile sein und desto weniger Eigenaktivität kann und sollte erwartet werden.
Der Kochsalzkonsum sollte eher reduziert werden.
Dagegen spricht allerdings die hohe Zahl an Herzinfarkten bei Menschen mit geringem Salzkonsum sowie die statistisch in Studien nicht zu sichernden Zusammenhänge. Dieses Dogma der möglichst geringen Kochsalzzufuhr gerät also zunehmend ins Wanken. Andererseits scheinen auch altersbezogene Fehler der statistischen Bewertung bei altersbezogen unterschiedlicher Salzverwertung vorzuliegen. Zudem kann wohl Salz in der Haut ohne Flüssigkeit eingelagert werden, sodass hier ungefährliche Salzdepots möglich sein könnten. Die Experten sind sich diesbezüglich aber nicht einig.

Eine konsiliarische Vorstellung zur psychosomatischen Exploration wird zudem immer wieder den Patienten angeboten.
Die Medikamentenbehandlung mit bestimmten Schmerzmitteln sowie die Schmerzen selbst können den Blutdruck zusätzlich negativ beeinflussen. Bei den sog. nichtsteroidalen Antiphlogistica (entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente) erfolgt dies über die Natriumretention in den Nieren.

Bis zu einer Untergrenze von knapp über 100 mm HG systolisch gilt, dass der Blutdruck je niedriger, um so weniger Komplikationen mit sich bringt. Im Allgemeinen wird empfohlen: Ein Blutdruck unter 140/80 ist günstig, bei Diabetes eher unter 130/80.

Bei Nephropathie (Nierenerkrankung) wird eine RR-Einstellung auf Werte unter 130/85 empfohlen, bei einer Proteinurie >1g/7d sogar unter 125/75 mm Hg.
Eine Hochdruckschulung mit Informationen zu Therapiemassnahmen und Bewegung sowie Ernährungsinformationen ist rasch nach Diagnosestellung zu empfehlen. Voraussetzung für Leistungsabrechnung ist bei allen Kassen allerdings eine Aufnahme in das KHK-Management-Programm (KHK-DMP).